Tunesien 2014/2015

Im letzten Jahr hatten wir mehr oder weniger den Entschluss gefasst, der kalten Jahreszeit ein Schnäppchen zu schlagen und in wärmere Regionen zu entkommen. Die Sahara bzw. Nordafrika mit den Destinationen Tunesien und Marokko standen dabei ganz oben auf der Liste. Kurzentschlossen haben wir uns zur Wüstentour mit Nole-Adventure nach Tunesien eingeschrieben, da Reisezeitraum komplett in die Winterferien passte. Die Tour ging vom 19.12.2014 bis 02.01.2015 und sollte für Sahara Einsteiger das Richtige sein.

19.12.2014 – Anreise:
Treffpunkt und Start der geführten Tour war die Autobahnraststätte Bellinzona in der italienischen Schweiz direkt an der A2. Wir brachen morgens früh auf und machten uns auf den Weg die 900+ KM zum Treffpunkt an einem Stück herunter zu spulen. Gleich nach nicht einmal 2h Fahrt zwang uns eine Vollsperrung der A7 bei Göttingen zu Umwegen und brachte Verzögerung. Im Anschluss konnten wir jedoch gut Strecke machen. Während der Fahrt wurde eine Whatsapp Gruppe der Teilnehmer gegründet und wir erfuhren dass ein Fahrzeug in Karlsruhe 4h vor uns gestartet war. Unser Guide Nole lag mit einem weiteren Teilnehmer eine Stunde hinter uns auf der Route. Wir wählten den Weg durch den Gotthard Tunnel um zum Treffpunkt zu gelangen. Die dortige Blockabfertigung verzögerte die Anreise um weitere 45min. Schlimmer erwischte es jedoch Nole und Dirk die hinter uns noch vor dem Gotthard Tunnel in einer Sperrung der Autobahn wegen Unfall Zeit verloren. In Bellinzona selbst war es bitterkalt, am nächsten Tag sollte es schon 06:00 nach Genua weitergehen. Wir entschlossen uns daher im Hotel zu nächtigen. Bei einem kleinen Abendessen konnten wir bereits Susanne und Ulf kennenlernen. Als Nole am Treffpunkt erschien, schliefen wir bereits tief und fest …

20.12.2014 – Alle man an Bord:
Wachgemacht mit Pulverkaffee vom Hotelzimmer ließen wir 05:30 Uhr die Motoren an und machten uns erneut auf den Weg zum Treffpunkt (Hotel war in anderer Fahrtrichtung an der Autobahn). Nole und Dirk erwarteten uns bereits freudig strahlend und nach einem ordentlichen doppelten Espresso ging der heutige kurze Stint nach Genua. Die Fähre sollte 12:00 den Hafen verlassen und wir wollten spätestens um 10:00 Uhr am Hafen sein. Im dichten Nebel setzte sich der Konvoi in Richtung Genua in Bewegung. Wie erwartet standen wir ordentlich vor dem Hafen bereits im Stau. Den wachsenden Fährkapazitäten ist der Hafen Genua nicht gewachsen und nur langsam ging es in Richtung Hafenkante. Wir nutzten die Zeit um den CB Funk zu demontieren und die Antennen unauffällig im Auto zu verstecken. Auf dem Verladeparkplatz (Ticket bereits „valid“ gestempelt und Zettel am Auto ) angekommen ging es zum Schalter der Reederei Grande Navi Velocci, um die Bordkarten abzuholen. Mit den Bordkarten selbst erhielten wir bereits die ersten Zettel die für den Zoll und Grenzer Tunesiens  zu befüllen waren. Nach dem obligatorischen Zeigen der Pässe bei den italienischen Behörden konnten wir dann mit unseren Fahrzeugen aufs Schiff. Beifahrer sollten zu Fuss den Kahn „Splendid“ betreten. Nachdem wir den Bock  im abgestellt hatten trafen wir uns auf dem Sonnendeck. Mittlerweile war der Nebel verzogen und angenehme 20° Grad luden ein auf dem Sonnendeck ein wenig Wärme für die kommenden kalten Nächte zu tanken. Mit südländischer Gelassenheit hieß es dann irgendwann 2 Stunden nach avisiertem Termin „Leinen los“.

Nach dem Ablegen begann die Farce der tunesischen Behörden. Zettel mussten ausgefüllt werden. Hierzu wurde an Board eine große Lounge des Schiffes schlichtweg als Zollbüro umfunktioniert. Zuerst mussten noch mehr Zettel ausgefüllt werden. An der 1. Schlange erfassten die Grenzer die einreisenden Personen ( Wartezeit hier ca 45min). In der 2. Schlange erfasste der Zoll die eingeführten Fahrzeuge (Wartezeit 2h). Für uns Touris an für sich kein Problem, es wurden jedoch viele Gebrauchtwagen ins Land verschafft und der Papierkram verzögerte das vorankommen. In der 3. Schlange ( Wartezeit 1h) bekamen wir dann den Fiche für unser Auto, den wir für die Ausreise keinesfalls verlieren durften … Gegen Mitternacht war der formelle Kram erledigt und die Schifffahrt konnte genossen werden.

21.12.2014 – Afrika!:
Die Fähre konnte die Verspätung bei der Abfahrt nicht wirklich aufholen. Nach festmachen der Leinen wurden die Gangways zu den Autodecks geöffnet und das Chaos des Ausfahrens begann. Gestern beim Parken war das Deck nicht mal ein Drittel gefüllt, wie wir feststellen mussten war es nun Rappelvoll was somit die Verzögerung bei der Abfahrt erklärte. Was passiert wenn sich die 8 Spuren des Autodecks auf eine Spur bei der Ausfahrt verjüngen? Richtig – der Blutdruck steigt! Reisverschlusssystem Fehlanzeige, Frechheit siegt. Auch kein Problem einen langen Sprinter auf dem Deck zu drehen und in Fahrtrichtung zu wenden … Ok das war alles zu erwarten und irgendwie dann doch süffisant. Vom Schiff runter ging es durch mehrere Hallen. Zuerst die mürrischen Grenzer die einige der Zettel einsammelten und einen schnell passieren ließen. Der Grenzschutz wollte dann doch gern einen Blick ins Auto werfen und versprach die Abfertigung zu beschleunigen sofern ein wenig mit barem motiviert wurde. Naja, wird sind da nicht so. Was wir nicht wussten: Der vorher auf der Fähre „erstandene“ Fiche musste einen Aufkleber bekommen, der für 30 Dinar auf dem Zollgelände zu erwerben war. Also erstmal Euros tauschen, Sticker erwerben, vom Grenzer aufkleben lassen und dann konnten wir auf den vereinbarten Treffpunkt – ein Parkplatz direkt am Hafen. Wir waren mit Dirk und Nole relativ schnell raus, Susanne und Ulf hatten jedoch Pech denn in Ihrer Schlange wurde ein Fahrzeug von den Grenzern ziemlich auseinandergenommen. Also 2h Verspätung der Fähre + 2h Verzögerung bei der Ausreise. Das gesteckte Ziel Gafsa würden wir heute nicht erreichen und wir machten uns auf die Bahn. Irgendwo bei Kairuan hatte Nole ein paar Koordinaten aus dem Hut gezaubert und wir schlugen uns in ein altes ausgetrocknetes Flussbett für die 1. Nacht auf dem afrikanischen Kontinent. Besser so, denn im Dunkeln fährt man Tunesien und Afrika generell besser nicht. Mit ein paar einfachen Nudeln ging es dann schnell ins Bett.

22.12.2014 – Besuch im Shiriland:
Bei Tageslicht erkannten wir, das Links und Rechts vom Flussbett viele Olivenhaine angelegt wurden und die Bauern recht  früh auf den Beinen waren. Wir erhielten von einem freundlichen Bauern zur Begrüßung eine PET Flasche Olivenöl. Nach dem Frühstück entschlossen wir uns nicht direkt den Weg auf der Straße fortzusetzen sondern fuhren Offroad im Flussbett weiter, bis wir die Hauptstraße wieder erreichten. Unser gestriges Ziel Gafsa war noch gut 80km entfernt. Wir wollten dort Sabine auf Ihrer Shiriland EcoLodge besuchen, die Nole vor der Reise im Internet ausfindig gemacht hatte – oder umgekehrt. Im Shiriland wird Nachhaltigkeit groß geschrieben: Oliven, Datteln und Pistazien werden natürlich angebaut und auf Märkten im Land verkauft. Hier ist Bio wirklich Bio und nicht nur ein nach ISO-4711 zertifiziertes Produktlabel das einen Aufpreis von 30% legitimiert. Wer möchte kann in der Oase der Ruhe, die Sabine seit 2008 aufgebaut hat, auch Kraft finden und meditieren. Sabine versteht sich auf ein Rebalancing von Geist und Seele und hat schon einige Entschleunigt oder nicht heilbare Wehwehchen mit den korrekten Mitteln der Natur beseitigt – gewusst wie! Nach einer Führung über die Farm machten wir uns auf wieder auf den Weg in Richtung Süden. Gleich hinter Gafsa veränderten sich Land und Vegetation deutlich. Die Olivenhaine verschwanden schlagartig und auch sonstiges Grün wurde durch Steinwüsten und Geröll ersetzt. Am Wegesrand fanden sich immer mehr von Dünen vom Saharasand bis wir unser heutiges Ziel Tozeur erreichten. Übernachtet werden sollte auf einem Campingplatz, der in einen Dattelplantage integriert war. Vor Wind geschützt bauten wir unser Camp auf uns genossen eine warme Dusche. Für das Abendessen wurden die Inhalte Foodboxen zusammengelegt und wir kochten zusammen eine leckeres Mahl, was sich in den folgenden Tagen nicht ändern sollte: Ulf war es gewohnt seine Familie zu bekochen und wollte sich das auch im Urlaub nicht nehmen lassen. Wir mussten feststellen, dass seine absolvierten Kochkurse beim einen oder anderen Sterne Koch sich ausgezahlt hatten. MAHLZEIT!

23.12.2014 – Weißer und schwarzer Rauch:
Neben der Lust auf die die Sahara ist der Fahrer auch ein hoffnungsloser Science Fiction Liebhaber. Die originale Star Wars Triologie von George Lucas lief zu Jugendzeiten an den Wochenenden in Dauerendlosschleifen. Damit ist war der Besuch des Star Wars Sets der Episode IV bei Nefta aus den 70ern natürlich Pflicht. Wir machten uns auf den Weg und fuhren am Flughafen vorbei in Richtung Nordwesten über Pisten zum Set. Hier hatten wir dann das 1. Mal Berührung mit den afrikanischen Wellblechpisten. Sand kann wirklich hart sein und es krachte auf den 20 Km ordentlich im Auto. Wir widerstanden der Versuchung die Pisten mit 70 Km/h + zu befahren und Namen die Schüttelei in Kauf. Auf dem Weg lag ebenfalls Ong Ejamel , der Dromedarfelsen, den wir für einen Fotostop nutzten. Hier und am Star Wars Movie Location Set bekamen wir dann die andere Seite Afrikas zu Gesicht. Kinder und Jugendliche bildeten mehr oder weniger schnell eine Traube ums Auto und wir sollten Ketten und Gedöns kaufen oder halt nen Dinar geben. Nun ja hartnäckig bleiben und zur Not halt Bonbons dabei haben. Die Filmkulissen sind ordentlich erhalten und es war Vorstellbar wie Onkel Owen und der junge Luke hier 3DPO uns R2D2 von den Händlern erworben haben 🙂

Von dort führte uns der Weg dann durch das Chott el Jerid, den größten Salzsee der Sahara, in Richtung Douz. Wie südlich der Alpen üblich, werden Abfälle am Wegessrand ganz einfach verbannt. Dieser Geruch ist auch in Tunesien mehr oder weniger latent in der Nase. Die Müllentsorgung geschieht im Süden grundsätzlich an der Dorfgrenze, wo dann hier und da ein Feuer entsteht. Als wir das Chott el Jerid durchfahren hatten, sahen wir jedoch eine schwarze Rauchsäule über einer Stadt. Muss es dann halt wohl richtig brennen dachten wir und fuhren unseres Weges. Noch ein wenig von den Souvenirverkäufern am Vormittag genervt ignorierten wir die Zeichen und Signale eines jugendlichen auf seinem Mofa ihm zu folgen, der meinte es jedoch nur gut mit uns. 2 Kurven weiter trafen wir auf eine mit brennenden Reifen errichtete Straßensperre. Daneben ein pöbelnder Mob. Wir warfen ohne langes Fackeln den Anker und gaben Hackengas. Es flogen wohl nur einige Steine, der Landy von Nole hatte leider einen auf den Kopf bekommen. Das war ein ziemlicher Schreck denn wir alle wussten ja von der Reisewarnung des Auswärtigen Amtes für Tunesien. Was war passiert? Tunesien hatte per Stichwahl die Woche zuvor eben über den neuen Präsidenten entschieden. Gewonnen hatte der westlich orientierte demokratische Kandidat aus dem Norden. Der eher traditionelle und konservative Kandidat aus dem Süden hatte verloren. Und wir waren in seiner Geburtsstadt Kibeli – kein Wunder also die schlechte Laune dort. In Douz angekommen suchten wir uns den Campingplatz am Stadtrand und mieden den bekannten Camping le Desert im Zentrum aufgrund der Erfahrungen in Kibeli. Auch das jährlich stattfindende Touareg Fest in Douz ließen wir lieber Links liegen. Auch in Douz brannten im Zentrum abends ein paar Autoreifen, nach dem Essen im Restaurant umfuhr der Taxifahrer den  Mob freundlicherweise großzügig. Zur Sicherheit allgemein: Polizei und Militär haben im Süden fast jedem Dorf Straßensperren und kontrollieren den Verkehr. Wir Touris wurden immer durchgewunken. Die verbeulten Einsatzwagen und vergitterten Fenster der Fahrzeuge lassen aber genug Raum für Spekulationen, wie es zu Zeiten des arabischen Frühlings im Lande gewesen sein musste. Die Kundgebung in Douz wurde gegen Mitternacht von den Einsatzkräften beendet. Am nächsten Morgen war der Alltag im Stadtzentrum von Douz wieder eingekehrt.

24.12.2014 – Weihnachten im Sand:
Nach einer Dusche auf dem Campingplatz bunkerten wir Vorräte auf dem Markt in Douz für das opulente Weihnachtsmal, das Ulf uns bereiten wollte. Ferner wollten wir die nächsten Nächte auch im Sand verbringen also wurden die Food- und Kühlboxen gefüllt. Den Biervorrat konnten wir an der Bar eines Touri Hotels auffüllen (Dose 0,25 L a 3 EUR). Wir verließen Douz in Richtung Süden und fuhren auf Pisten in Richtung des Jebil Nationalparks. Auf dem Weg dorthin kamen wir am berühmten Desert Cafe vorbei auf dem Nole seinen Sticker platzieren musste (und wir einen lecker Kaffee genossen). Ich hatte keine Visitenkarten dabei und muss da wohl noch mal hin … An der Ranger Station des Jebil Parks ging es südlich am Zaun entlang weiter in Wüste. Wir bereiteten hier unsere Fahrzeuge auf das kommende vor und sind mit dem Luftdruck in den Reifen auf knapp über 2 Bar heruntergegangen. Nach Umrundung des Parks verließen wir die Piste um uns auf direktem Weg zum Mt. Tembaine durchzuschlagen. Das ruhige Wetter der vergangenen Tage machte uns die Navigation leichter denn im Sand waren noch etliche Spuren vorhanden. Gegen 16:00 Uhr tauchte der Tembaine am Horizont auf, wir entschlossen uns jedoch das Lager für die Nacht aufzuschlagen, es sollte ja noch gekocht werden … MAHLZEIT! Auch wenn die Kartoffeln auf dem Markt liegen geblieben waren schmeckte es wunderbar und wir genossen trotz Kälte einen Wunderbaren Heiligen Abend unter mindestens 5 Billionen Sternen. Das war es weswegen wir in die Wüste fahren wollten.

25.12.2014 – Am Zaun Rechts entlang:
Am 1. Weihnachtstag ging die Reise weiter. Das Ziel war zunächst der Tafelberg Mt. Tembaine, den wir wir über einige Dünenfelder dann ohne Eile erreichen konnten. Von dort war das Tagesziel für die Nacht die Oase Ksar Ghilane. Angefixt vom Dünenfahren beschlossen wir nicht wie üblich den gleichen Weg zurückzufahren um auf Piste die Oase zu erreichen. Wir fuhren in Richtung Norden Rechts am Zaun des Jebil Nationalparks vorbei um auf die Piste zur Oase zu kommen. Für die Navigation musste ein Wegpunkt ausreichen. Uns verließen hier sehr bald die Spuren im Sand und wir mussten unseren eigenen Track suchen. Dabei gingen wir sehr vorsichtig vor und liefen die schlecht Einsehbaren Dünen teilweise zu Fuß ab. Wir wollten und mussten auch auf die nicht so geländegängigen Fahrzeuge Rücksicht nehmen. Gut das wir zusätzlich noch unser Handfunkgerät dabei hatten. Wir machten langsam aber stetig Fortschritte. In der einen oder anderen Verschränkung oder Dünenkamm blieben Nissan und Toyota mehrfach stecken, wir zirkelten vorbei und hatten dann seit diesem Tag den offiziell die Rolle des Besenwagens inne und zogen alle aus dem Dreck. Beste Investition hierzu das Kinetikseil von Paddocks, welches eine schonende Bergung ermöglichte. In schwierigen Fällen kamen auch die Winden zum Einsatz. Das konzentrierte Fahren schlaucht dann doch irgendwo und der eine oder andere Fahrfehler wurde ersichtlich. Wir hatten ja keine Eile und beschlossen daher eine 2. Nacht unter freiem Himmel in der Sahara zu verbringen auch wenn es nur noch 7 Km zur Piste waren. Die Sonnen Auf- und Untergänge und der rote Saharasand machen eine Nacht unter freiem Himmel geben jedoch einen Erholungswert den wir jeden Abend genießen würden.

26.12.2014 – Oasentag:
Am Morgen nach dem Frühstück mussten an einigen Fahrzeugen die Scheiben freigekratzt werden. Ohne Wolken am Himmel gingen die Temperaturen von Tagsüber angenehmen 20°C doch gegen Null. Unsere Investition in ordentliche Winterschlafsäcke machte sich bezahlt. Für den Beifahrer gab es jedoch zusätzlich noch eine Wärmflasche mit ins Dachzelt. Die restlichen Kilometer zur Piste schafften wir ohne Eile mit nur wenig Bergungen. Auf dem Weg zur Oase konnten trafen wir immer wieder einige Menschen mit Dromedaren die vermutlich auf dem Rückweg vom Touareg Festival in Douz waren. Das letzte Dünenfeld vor der Oase war aufgrund der fehlenden Winde ebenfalls gut befahrbar und wir erreichten am frühen Nachmittag die Oase. Der Anschluss der Oase mit ordentlicher Straße vom Nordosten hat die Idylle dort verändert. Quadverleih, Dromedatouren und viele Touristenbusse lassen den Charakter der Oase verschwimmen. Dennoch ist Ksar Ghilane nach einigen Tagen im Sand ein wunderbares Ziel das zur Entspannung einlädt.

27.12.2014 – Sightseeing Movie Spot Locations I :
Zum Frühstück organisierte uns Nole warmes Fladenbrot vom Restaurant der Oase. Wir hätten so gerne noch Stunden im Camp verbringen wollen, mussten jedoch auch heute noch ein wenig Strecke machen. Wir verließen die Oase in Richtung Süden um eine 2. Oase weiter südlich zu erkunden: Camp Ain Essbat. Keine 2 Stunden später war somit der Touristentrubel vorbei. Eine Oase mit ordentlichen sanitären Anlagen ohne Quadverleih und Sandrosenstände. Idylle pur und keine Sau vor Ort. Bestimmt werden wir hier das nächste Mal Übernachten. Von dort ging es endlose KM auf schnurgrader Piste in Richtung Nordosten. Wir wir wollten das Hotel Ksar Hadada erreichen und besuchen. Die alten Kornspeicher sind mittlerweile als Hotel ausgebaut und können zur Saison wohl bezogen werden. George Lucas drehte hier 1997 den 1. Teil der neuen Star Wars Trilogie „The Phantom Menace“. Nach der Besichtigung fuhren wir in Richtung Norden. Es war auch hier wieder spät und wir suchten uns abseits der Straße eine Übernachtungsmöglichkeit in den Bergen. Mittlerweile hatte der Wind aufgefrischt und blies ordentlich über die Felder. glücklicherweise konnte wir Teile eines verstorbenen Olivenbaums zum Camp zerren und uns abends erstmals in diesem Urlaub an einem Feuer wärmen. Aufgrund der starken Windböen war die Nacht sehr unruhig und wir waren kurz davor das Auto um zuparken. Die Böen hatten uns teilweise das Zeltgestell aus dem Dachzelt gedrückt was des Nächtens repariert werden musste.

28.12.2014 – Sightseeing Movie Spot Locations II:
Morgens ging der Wind noch immer ordentlich was das Einpacken des Zeltes auf seltsame Art beschleunigte. Bloß schnell ins warme Auto. Das Tagesziel war heute wieder Retour nach Douz über Matmata. Bereits nach einigen Metern durch das Hügelige Land um Bani Kheddache wurde klar: In der Wüste tobt ein Sandsturm! Der Wind brachte Tonnen von Sand aus der Sahara in die Region der Täler in einen rotbraunen Schleier tauchte. Gut das wir nicht  mehr in der Wüste waren. Auf offener Ebene und auf den Bergspitzen blies es derart stark, das die Planen der Dachzelte bei Dirk uns die Verschlüsse aufdrückten. Wir mussten die Plane mit 2 zusätzlichen Spanngurten sichern. Nachdem die Zelte gesichert waren erreichten wir Matmata. Die Einwohner von Matmata hatten seit jeher Erdhäuser bzw. Wohnhölen errichtet, um im Sommer der brutalen Hitze zu entkommen. Von den über 700 Wohnhölen sind Teile heute noch immer bewohnt. Das ehemalige Hotel Sidi Driss ist ein weiterer Movie Spot der Star Wars Episode IV – A new Hope von George Lucas. Ich sitze dort da also in der Küche mit Onkel Owen und Tante Beru, und obwohl die Druiden gute Arbeit leisten darf ich ers t im nächsten Jahr auf die Akademie …
Zum Mittag gab es ordentlich etwas zu Essen auf Empfehlung eines Locals vor Ort. Amüsant übrigens die Tatsache, dass wir auch hier genau wie am Mt. Tembaine wieder einige Overlander trafen, die wir bereits auf der Fähre kennengelernt hatten. Durch den Sandsturm ging es ohne besondere Vorkommnisse zurück nach Douz. Wir fuhren hier zunächst das Camp Desert im Stadtzentrum an. Dort hatten wir von Freunden noch ein Präsent für den dortigen Nachtwächter abzugeben. Auch wenn wir selbst gerne auf diesem Platz geblieben wären, wollte die Mehrheit der Gruppe zurück auf den Campingplatz am Stadtrand um dort den morgigen Ruhetag zu verbringen. Hatten wir die Tage noch den Campingplatz für  uns allein, rollte spät am Abend eine Reisegruppe von Overcross mit etlichen Fahrzeugen im Campinplatz ein. Der aufgerödelte Defender eines Orgas  musste mit gebrochener Dieselleitung und Aufhängungsschaden in der Werkstatt geflickt werden. Deren Plan in die Wüste zu fahren war wegen des Sturms eh kein Guter.

29.12.2014 – Ruhetag in Douz:
Ulf und Nole brachen am Ruhetag früh auf, um den in der Wüste  abgefallenen Endtopf des Toyotas beim Mechaniker vor Ort richten zu lassen. Wir selbst nutzten die Zeit für ein ordentlichen Frühstück und das Auto selbst mal wieder ordentlich einzusortieren. Flüssigkeiten wurden kontrolliert und Luftfilter wurden gereinigt. Das Wetter war noch ein wenig bewölkt und der Sandsturm so gut wie verzogen. Wir machten uns zur Abwechslung zu Fuß einmal auf in die Stadt um den Markt zu besuchen und einen Kaffee zu trinken. Auf dem Rückweg bunkerten wir uns Proviant  in die Rucksäcke. Für den Abend hatten wir uns auf Empfehlung eines Markthändlers auf ein Restaurant außerhalb von Douz verabredet. Wir wurden traditionell mit Lamm und Couscous aus einem riesigen Erdofen bekocht und ließen es uns richtig schmecken. 3 leckere Gänge , Getränke und ein bisschen Entertainment für zusammen 160 Dinar , gerne wieder !

30.12.2014 – Sandrosen :
Es ging wieder los auf die Pisten in Richtung Westen, südlich des Chott El Jerid. Tagesziel heute war das Sandrosenfeld, an den wir uns selbst welche Graben wollten. Dies gelang uns auch mit etwas Aufwand. Der Sturm war an sich vorbei, trotzdem sorgte eine ständige Briese für ordentlich  Kälte. Wir suchten daher Unterschlupf für die Nacht an einer wie wir dachten verlassene Wasserstelle, die mit Dünen und Bäumen Deckung vor dem Wind gab. Nachdem wir aufgebaut hatten erschien aus dem Nichts ein Berber mit seinem kleinen Sohn und 2 Dromedaren, um aus den Quellen Wasser zu bunkern. Ebenso schnell wie er kam verschwand er auch wieder in der  Wüste. Als wir bereits unseren Grill in Betrieb hatten und die Muurikka anfeuerten bekam der Ort weitere Gäste für die Nacht – 2 Berber samt Esel und Karren die in einer anderen Ecke Ihr Nachtlager aufschlugen. Gesättigt nach opulentem Mahl konnte wir uns noch für einige Zeit am Feuer wärmen, bevor es ins Bett ging.

31.12.2014 – Sylvester:
Gestern hatten wir nicht viele Kilometer  geschafft und für heute blieben auch nicht viele Optionen. Nach Heiligabend hatten wir beschlossen Sylvester ebenfalls draußen zu feiern und nicht wie geplant im Shiriland zu übernachten. Weiter raus in die Wüste hätte aber ebenfalls bedeutet, dass wir an den kommenden Tagen ordentliche Stints in Richtung Tunis hätten absolvieren müssen um die Fähre nach Europa zu bekommen. Wir entschlossen uns daher  – auch wegen des instabilen Wetters – den Campingplatz in Tozeur erneut anzusteuern. Wir wären gerne westlich vorbei am Chott el Jerid auf Piste nach Tozeur gefahren, unsere Mitreisenden hatten da jedoch wegen der Nähe zur algerischen Grenze ein wenig Bauchschmerzen. Also fuhren wir wieder direkt auf dem Highway durch das Chott. Diesmal hielten wir aber am gestrandeten Bus der Linie 10 für einen Foto stopp. In Tozeur selbst sollte noch ein 2. Campingplatz vorhanden sein den wir aber nach etlichen runden durch die Altstadt nicht lokalisieren konnten. Geschützt im Palmenhain konnten wir dann die vorletzte Nacht in Tunesien genießen. Nole hatte sich hier noch in eine Hundedame verguckt aber die Vernunft siegte schließlich, der Hund sollte in Afrika bleiben.

01.01.2015 – Neujahr, auf nach Sousse:
Der Urlaub war eigentlich vorbei und wir mussten Kilometer machen um die Fähre zu schaffen. Also auf die Bahn, um über Gafsa, Sfax und Sousse zurück nach Tunis zu gelangen. Lustige Begegnung: Kurz vor Gafsa begegneten wir Claus und Renate von Safaricar.de mit Ihrer Reisegruppe. Nach kurzem Schnack fuhren wir unserer Wege. Für die letzte Nacht im Land hatten wir noch ein Campspot am Strand im Auge. Um Sfax öffneten sich jedoch die Schleusen am Himmel und es begann ordentlich  zu regnen, wobei das Fahren dann keine wirkliche Freude bereitete. Angekommen in Sousse mussten wir feststellen, dass der Zenit dieses Touristenortes bereits vergangen war. Etliche Hotels waren übel zerfallen und geschlossen. Dies bestimmt nicht zuletzt wegen der Touristenflaute, die durch den arabischen Frühling hervorgerufen wurde. Das einzig einladende Etablissement gehörte zu einer Schweizer Hotel und Gastrokette das wir, weil durchaus bezahlbar, gerne annahmen. Nole brauchte noch eine Weile um sich darauf einzulassen, wir anderen Namen den Willkommens-Tee samt warmen Handtuch zum Reinigen der Hände gerne an. Für das Dinner gingen wir einmal schräg über die Straße zum Italiener und ließen es uns hier ebenfalls richtig gut gehen.

02.01.2015 – Rückfahrt
Die Fähre sollte um 18:00 Uhr die Leinen losmachen. Wir  hatten also genügend Zeit im Hotel auszuchecken und noch ein wenig durch die Stadt zu bummeln, bevor wir den letzten Stint zum Fähranleger angingen. Kurz vor dem Ziel nutzten wir die Zeit um den Dieseltank noch einmal ordentlich voll zu machen. Auch in Tunis mussten wir unser Ticket im Büro der Reederei vorzeigen, um die Bordkarten zu bekommen. Allerdings es hier ein wenig anders: Man verdiente sich Geld, um die Formalitäten für die Reisenden zu erledigen. Erst hier wurde bemerkt, dass auf dem Ticket von Dirk das Fahrzeug nicht mit Kennzeichen angegeben war was unter Umständen zu Problemen hätte führen können. Also ging es noch in ein anderes Büro und gegen Geld wurde ein neues Ticket erstellt. Gut wenn wer da ist der sich auskennt. Im Zollbereich dann wieder Verwirrung: Bei  der Ausreise musste nun nicht für das Auto, sondern für die mitreisenden Personen ein Aufkleber besorgt werden, erst dann kam der Stempel in den Reisepass. Da die Dinare schon wieder alle Waren hiess es also erneut Geld wechseln und Schlange stehen für  die  Aufkleber. Das Befahren des Schiffes dauerte noch einmal  ewig, da die Security der Reederei noch einmal ganz genau auf Schwarzfahrer untersuchten. Gegen Abend war der Wind der vorherigen Tage dann auch so gut wie verschwunden was eine ruhige Überfahrt garantierte

03.01.2015 Back in Europe
Natürlich hatte es die Fähre nicht pünktlich vom Anleger los geschafft und die Zeit konnte vollständig aufgeholt werden. Gegen 19:00 liefen wir im Hafen von Genua ein. Auf dem Autodeck mussten wir feststellen, dass irgendetwas während der Überfahrt durch die Gegend geflogen und in die Heckscheibe an Noles Defender eingeschlagen war. Diese war kurz davor zu zerbröseln. Letztendlich tat sie das noch. Bis der Schaden durch den verantwortlichen Deckoffizier aufgenommen wurde verging weitere Zeit bevor wir uns auf den  Rückweg machen konnten. Genau wie im April erreichten wir das Marche im Bellinzona kurz nach 22:00 weswegen es nur noch Reste zu essen gab. Hier fand dann auch das Gruppenknuddeln statt: Dirk hatte Termine und fuhr weiter gen Heimat, Susanne und Ulf wollten ins Hotel; Nole wollte über den San Bernadino noch Strecke machen und wir schafften es zumindest durch den Gotthard bis Freiburg in dieser Nacht. Gegen 16:00 waren wir wieder daheim und hatten fast 4500 KM abgespult.

Fazit: Ein wunderschöner Overland Trip in netter Gesellschaft und kompetentem Guide. Auch wenn Fahrzeug und Fahrer ein wenig unterfordert waren haben die ersten Sand-Erfahrungen in der Sahara verdammt viel Spaß gemacht und wollen in Zukunft vertieft werden. Unser Konzept des Innenausbaus in Verbindung mit Zargeskisten hat sich weiterhin bewährt, wir waren auf diesem Trip noch nie so viele Tage autark unterwegs und es ist hier noch Luft nach oben. Die Tour hatte eine richtige Mischung von Fahren und Pausen. Ebenfalls sehr positiv das Tagesablauf und Tagesziele immer in der Gruppe entschieden wurden. Die Reisewarnung des auswärtigen Amtes erscheint uns etwas über sensibilisiert. Im Großen und Ganzen ist Tunesien sicher und irgendwo ist man auch dankbar, wenn man ein paar Dinare unter das Volk bringt.

Schäden:

  • Am Defender von Nole die Bergeöse gerissen, Beule im Dach vom Steinwurf und zu guter letzt die Heckscheibe auf der Fähre
  • Am Nissan von Dirk eine Schramme beim Kuscheln mit Mofas in der Stadt
  • Am Toyota der abgefallene Endtopf
  • Bei uns: 2 durchgebrannte H4 Lampen

Hier ein paar Bilder:

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