Offroad-Abenteuer Polen

Schon lange hatten wir die Tour „Offroad-Abenteuer Polen“ von Abenteuer4x4.com im Auge. Das Problem: Entweder keine Ferien oder die Tour war bereits ausgebucht. Als in 2015 der Tourplan für 2016 erschien, schrieben wir uns ohne zu zögern ein womit uns ein Platz auf der schnell ausgebuchten Tour sicher war.

Die Tour ging Ende April von Montag bis Donnerstag durch Westpommern wenig östlich von Stettin. Endlich einmal sollten wir die Gelegenheit haben, das polnische Outback im Frühling zu erleben. Allerdings kam es etwas anders, die Vorhersage versprach nichts Gutes und es war immerhin eine Camp Tour. Am Treffpunkt sollten wir 10:00 Uhr morgens erscheinen. Die Anreise erfolgte aufgrund des Highland Meetings aus Prag bereits am Sonntag. Von unseren vorherigen Polen Touren haben wir das Hotel Orle zu schätzen gelernt, das rund 20 km vom Treffpunkt entfernt lag. Am späten Sonntagabend checkten wir dort ein um nach einer letzten heißen Dusche und ordentlichem Frühstück in Camping Tour starten zu können.

Die Anfahrt zum Treffpunkt verlief dann in einem Schneeschauer (!). Aufgrund der miesen Vorhersage waren die dicken und mehrlagigen Klamotten im Gepäck, aber musste das denn wirklich sein? Am Treffpunkt angekommen stießen wir auf gemischte Gruppe von Land Rover Defender, Ford Ranger und Nissan Patrol. Später kam noch ein Rudel von Jeep Cherokee und Wrangler hinzu. Der bunte Haufen an Fahrzeugen versprach also Abwechslung. Die Tourguides Elmar und Renate (eigentlich Rene) begrüßten uns mit den polnischen Guides Christof und Peter herzlich. Da wir uns nur wenige KM nach dem Treffpunkt in die 1. schwierige Passage werfen sollten, wurde uns gleich noch das Absenken des Luftdruckes in den Reifen ans Herz gelegt. Dann mal los.

Was folgte war die „Wiese der Wahrheit“. Eine kleines Stück sumpfige Wiese leicht im Hang gelegen. Wir waren die dritte von insgesamt 3 Gruppen, die in den letzten Tagen hier durch waren. Dementsprechend waren die Spuren ordentlich ausgefahren. Wie angedroht mussten Bergegurte ausgepackt und ordentlich Windenseil abgespult werden, um alle Fahrzeuge durch das Moor zu bekommen. Von dort aus ging es über Wald und Wiesenwege, verlassene Bahnschienen und Furten weiter in Richtung Osten. Die Winden an den Fahrzeugen kühlten hierbei nicht richtig ab. Lediglich die Winde von Andreas blieb kalt. In der Nachlese der Tour stellte sich heraus das ein verrottetes Relais die Winde immer wieder lahm legte. Trotz Simex Profilen und V8 Power der Cherokee war nicht jedes Hindernis auf Anhieb durchfahrbar. Während unserer Mittagspause versuchten die Scouts den Defender von Renate zu flicken. Irgendein Wackelkontakt lies den Motor sterben. Bei der Rumpellei durch die Hindernisse natürlich nicht wirklich förderlich und nervtötend. Schlussendlich konnte das Problem im Kabelbaum im Armaturenbrett erst im Camp gelöst werden, das wir an einem See gelegen nach rund 70 km erreichten. Nachdem das Camp gebaut und gegessen war, versammelten wir uns am Feuer. Glücklicherweise war der Regen ab Mittag vergangen und wir bekamen am Nachmittag bzw. Abends sogar ein paar Sonnenstrahlen zu spüren.

Am nächsten Morgen war es wieder ordentlich frisch und bewölkt. Die Fahrzeuge waren noch nicht wirklich warm als es gleich wieder in die nächsten sumpfigen Hindernisse ging. Bis Mittag hatten wir lediglich 2 Hindernisse geschafft. An einem Truckstop wärmten wir uns zu einer warmen Mahlzeit und Kaffee wieder auf. Auf der Weiterfahrt musste die Gruppe aufgeteilt werden, denn bei einem Cherokee war die Luft aus dem Reifen der zuerst gewechselt werden musste. Wir anderen fuhren langsam die Route weiter und nach kurzer Zeit hatten die anderen wieder aufgeschlossen. Entlang einer Trasse, an der in den nächsten Monaten und Jahren eine Bundesstraße gebaut werden sollte, konnte wir in Achsverschränkungs-Passagen ordentlich austoben. Nach ca. 60 km erreichten wird das Städtchen Walcz, an dessen nahegelegenem See wir das Nachtlager aufschlagen wollten. Noch immer waren es gefühlte 0° und während des Aufbaus fing es wie aus Eimern an zu regnen. Vollkommen frustriert machte sich ein Teil der Gruppe auf die Suche nach einem Hotel in der Stadt. Wir anderen beschlossen die Regenzeit in einer Pizzeria auszusitzen. Auf dem Weg dorthin kam uns der Convoi der Hotelschläfer wieder entgegen. Das beste Haus am Platze war ausgebucht, eine Alternative im Ort nicht akzeptabel. Von Abbruch und Heimfahrt war die Rede. Wir konnten die Gruppe jedoch zu Pizza überreden und getrocknet, aufgewärmt und gesättigt fuhren dann doch wieder alle an das Camp am See. Aufgrund der Wassermassen wollte das Feuer nicht so richtig, auch die vielen Kümmerlinge vermochten nicht zu wärmen. Also ging es dann doch früh ins Bett.

Der morgen danach präsentiert sich nicht besser. Die Scheiben am Defender waren gefroren. Also Kaffee extra heiß und ja rechtzeitig den Motor warmlaufen lassen, vermutlich würde es ja kurz nach Abfahrt wieder ordentlich zur Sache gehen. Dieses mal war allerdings eher technisches Können gefragt, den wir mussten die langen Defender direkt durch den Wald zwischen den Bäumen hindurchfädeln. Am großen Patrol von Steffen wurden dabei die Radhaus Verbreiterungen „abmontiert“. Schlussendlich musste der Patroli mit dem Fichtenmopped aus den Bäumen herausoperiert werden. Anders ging es nicht. Übrigens war es noch nicht mal 11:00 Uhr. Die neue Regierung hatte dafür gesorgt, das für sämtliche Forstbezirke neue Zuständigkeiten vergeben wurden. Daher ging es mal nicht durch Furten und fiese Moorlöcher auf Asphalt zum Prolog Gelände Breslau bei Borne, auf dem wir ein bisschen spielen wollten. Auf dem Weg dorthin stoppten wir noch einmal am Supermarkt um Kühlboxen und Tanks zu füllen. Ebenso besuchten wir einen alten Bunkerkomplex sowjetischer Streitkräfte, in dem Ende der 70er Jahre tatsächlich Atomwaffen eingelagert waren, um diese schnell in den Westen mit möglichst geringer Vorwarnzeit verschießen zu können. Auf dem Weg nach Borne wieder ein wenig Unruhe in der Truppe denn Einzelne gingen nach und nach verloren. Das Thema Funkdisziplin und Stoppen wenn der Hintermann nicht mehr im Spiegel erscheint geht bei der vielen Rödelei und Winchen halt nicht sofort ins Blut über. Auf dem Breslau Prolog Gelände waren dann aber doch wieder alle beisammen. Als Vorspeise vor dem Abendessen organisierten die Guides uns noch wirklich landestypische Piroggen in einem Restaurant vor Ort. Nach 80 km erreichten wir wiederum einen schönen an einem See gelegenem Lagerplatz. Bei der letzten Übernachtung brannte das Feuer wieder ordentlich.

Am letzten Tag ging es noch einmal technisch durch Waldstücke und einige Löcher. Die Tour endete um die Mittagszeit nach Besichtigung einer Bunkeranlage der Pommernlinie. Die knapp 550 km nach Hause verliefen ohne Probleme und relativ schnell, da Renate den gleichen Weg hatte wie wir und so die Fahrzeit durch Faxen machen über Funk schnell verging.

Fazit: Eine Tour mit akuter Wiederholungsgefahr. Die Tourguides Rene und Elmar mit ihren lokalen Guides Christof und Peter sind kompetent und ein lustiger Haufen mit denen es ganz einfach Spaß mach zu reisen. Die Strecken und Passagen sind mitunter sehr anspruchsvoll und abwechslungsreich. Für das Wetter kann niemand etwas, aber die Campingspots waren jedesmal ausgezeichnet. Am Ende wird sich niemand beklagen können, das Fahrer oder Fahrzeug nicht ausreichend gefordert wurden. Man sollte gewillt sein, Lackkratzer und kleine Beulen durch Baumkontakt am Fahrzeuig in Kauf zu nehmen. Wer sich noch nicht sicher ist, welche Kunstoff- bzw Serienteile am Fahrzeug durch massiven Stahl ersetzt werden sollten, wird am Ende der Tour sehr wahrscheinlich ziemliche Gewissheit darüber haben :p