Marokko 2019

Frühjahr 2019. Afrika is calling. Nachdem wir nun einige Male in Tunesien unterwegs waren, sollte es in diesem Jahr endlich einmal in dieses Marokko gehen. Sei es wegen der vielen Schluchten, den Gerbereien in Fes oder Marrakesch, dem Schurken-Hauptquartier von Ernst Stavro Blofeld, dem Cirque de Jaffar, dem Atlas Gebirge allgemein oder den vielen anderen Spots, die Marokko ausmachen und uns ständig auf den Social Media Kanälen triggerten.

Guides sind für dieses Land nicht wirklich vonnöten, jedoch kann man hierdurch immer ein paar Ecken entdecken, die nicht in anderen Roadbooks oder Reiseberichten beschrieben stehen. Unsere Lieblingsguides Ecki & Dani von Caro Adventure hatten für Oktober eine Tour im Angebot. Also fragten wir an.

Wegen unserer dienstlichen Verpflichtungen würde ein Tour Start 2 Wochen früher für uns besser passen. Da wir die ersten Interessenten waren, konnte der Termin ohne Probleme verschoben werden.

Trotz unserer Zusage arbeiteten wir jedoch weiterhin für uns ein paar Notizen aus und begannen eine eigene Tour zusammenzustellen. Wer kann sich schon 3,5 Wochen Zeit für so eine Tour nehmen? Ende Juli war dann jedoch klar: Die Tour findet in einer kleinen Gruppe mit 4 Fahrzeugen statt!

26.09. – Anfahrt und Treffen in Lindau

Den Landy hatten wir in den Tagen vorher schon so gut es geht gepackt. Heute noch die Klamotten ins Auto, ein paar Kleinigkeiten für die Kühlbox und Abfahrt gegen 14:30 Uhr in Richtung Lindau zum Treffpunkt. Mehr als Autobahn stand heute nicht auf dem Programm. Davon ab regnete es, also ließen wir uns Zeit. Unsere Guides und wir treffen fast zeitgleich bei McD in Lindau ein. Wir übernachten dort auf einem Parkplatz. Vor dem Schlafen gehen müssen wir jedoch noch auf einen Geburtstag anstoßen…

27.09. – Weiter nach Italien und Treffen mit dem Rest der Gruppe

Wir starten gegen 09:00 in Lindau und nehmen das Frühstück bei McD. Die Autobahn-Vignette wollen wir uns in Österreich für die paar Kilometer sparen und fahren daher auf Landstraßen. Zudem bietet sich so die Gelegenheit, noch ein paar alkoholische Getränke pfandfrei einkaufen zu können. Gleich in Bregenz quälen wir uns im Stop-and-Go durch die Stadt. Alle sind ziemlich busy an diesem Freitagmorgen. Wir stellen fest, dass die Kids in Österreich ebenso Fridays4Future können. Gegenüber dem Bahnhof findet eine große Versammlung statt. Meinen Landy scheint dies ziemlich beeindruckt zu haben, denn er beschloss zugleich nur noch auf 4 von 5 Zylinder zu laufen. Verdammt was sollte das? An der Tanke also gleich mal rechts ran. Die Stecker im Steuergerät waren trocken und Öl-frei. Luftmassenmesser etc. schienen ebenso keine Defekte zu haben, alle Stecker saßen fest und waren trocken. Dieselpumpe und Dieselfilter waren ja noch kein Jahr alt, also kamen wir an dieser Stelle nicht ohne fremde Hilfe weiter. Glücklicherweise befand sich nur 5 km entfernt in Wolfurt der nächste Landrover Händler. Das sollte dorthin auch mit 4 Zylindern klappen. Dort angekommen kamen der Landy auch sofort an das Diagnose Gerät. Die beiden Gesellen fuhren ziemliche aufgerödelte 110er. Wir waren hier also in guten Händen. Ergebnis der Diagnose: Probleme mit den Injektoren 2 und 5, dazu die Zylinder-Balance komplett jenseits von Gut und Böse. Musste also der Kabelbaum oder die Injektoren selbst sein. Da die Injektoren im Diagnose-Modus einwandfrei ansteuerbar waren, blieb dann nur der Kabelbaum im Zylinderkopf. Dieser war als Ersatzteil glücklicherweise vorrätig. Aber erstmal Mittag, einer der Gesellen musste auch nach Hause um mit dem Hund eine Runde Gassi zu gehen. Wir vertrieben uns solange die Zeit in einem Kaffee. Der Kabelbaum war dann schnell getauscht. Die folgende Probefahrt mit Volllast Abschnitten in der Bregenzer Innenstadt wurde mit Bravur bestanden. Problem also behoben. Wer auf der Fahrt nach Genua zur Fähre also ein Problem mit seinem Landy hat, dem kann ich das freundliche und kompetente Land Rover Autohaus Hörburger in Wolfurt nur empfehlen.

Unser Zeitmanagement war für diesen Tag dann ein wenig durcheinander, denn eigentlich wollten wir zum Treffpunkt südlich Mailand noch ein wenig bummeln und Pässe in den Alpen fahren. Dafür war nun aber keine Zeit mehr. Also ging es direkt und ohne Umwege zum Treffpunkt in einer Pizzeria. Unser Mitfahren Bruno war dort schon um 15:30 angekommen. Steff sollten wir erst am nächsten morgen kennen lernen. Wegen Stress im Job würde er erst nachts anreisen können.

Wir erreichen die Pizzeria ohne weitere Zwischenfälle gegen kurz nach halb Acht und lassen uns die italienische Pizza und den Wein ordentlich schmecken, bevor wir auf dem Parkplatz am Vergnügungspark das Nachtlager aufschlagen.

28.09. – Anfahrt Genua

Als ich morgens aus dem Zelt krabbele, schaue ich direkt auf den schönen HZJ von Steff, der sich in der Nacht zu uns gesellt hatte. Wir haben davon nix mitbekommen. Nach einem kurzen Kaffee ging es weiter in das nächste Dorf, um dort zu frühstücken. Bedeutet lecker Cornetti und ordentlichen Cafe dazu. Wir haben heute ja Zeit und bummeln dann weiter in Richtung Genua zum Hafen, den wir mehr als pünktlich erreichen. Die Bordkarten erhielten wir schon beim Check in im Hafengelände. Also konnten wir direkt zum CooP um die Kühlbox mit italienischen Wurst und Käse Spezialitäten zu füllen. Und natürlich Cornetti. In der Spur neben uns steht ein X5 einer Schweizer Familie. Hinten rechts ist die komplette Aufhängung des Hinterrades abgescheert.

Nichts was man so eben wieder reparieren kann. Die Familie lässt das Auto abholen und geht ohne Fahrzeug auf die Fähre. Irgendein Mietwagen wird sich vor Ort schon auftreiben lassen. Wir finden – die richtige Einstellung! Die Fähre legt dann pünktlich ab und wir werden uns nun für über 50 Stunden auf der Fähre beschäftigen müssen.

29.09 – See Tag

See Tag … langweilig. Wir haben Bücher dabei bzw. die Handys und iPads mit Hörbüchern aufgetankt. Stühle, um an Deck in der Sonne sitzen zu können, sind bei GNV immer rar, aber wir hatten unsere Stühle mitgenommen und konnten so schön in der Sonne chillen. Tag 1 habe ich sogar ohne Sonnenbrand hinbekommen…

30.09 – See Tag und Ankunft in Marokko am späten Abend

Der 2. See Tag ist ebenso langweilig wie der Tag zuvor. Grundsätzlich ist im Mittelmeer jedoch ordentlich Verkehr mit den vielen Frachtern und Containerschiffen und es gibt immer was zu schauen. Ich habe noch immer keinen Sonnenbrand. Gegen Abend fahren wir in die Meerenge von Gibraltar ein. Die anderen Schiffen kommen deutlich enger zusammen und uns näher. Um uns herum springen Delfine und kleine Waal-Arten, da in der Meerenge vermutlich reichlich Nahrung zu finden ist. Eine willkommene Ablenkung. Den Hafen Tanger Med erreichen wir im schönsten Sonnenuntergang. Nach 50 Stunden eingesperrt im Schiff möchte natürlich jeder als Erster durch den Zoll und entsprechend riesig ist die Drängelei um die besten Plätze … Wir haben zwar Urlaub, aber können das Drängeln ja auch. Also blocken wir uns gegenseitig die Fahrspuren frei. Bruno macht allen anderen deutlich, das hinter unserem Defender nicht dazwischen gefahren wird und bleibt kompromisslos drannen. Dabei fängt er sich an seinem schönen Nissan leider eine Delle an der vorderen Stoßstange ein. Der massive Stahl der Eckenschützer am Defender hinten ist nun mal fester … Mittlerweile ist es dunkel geworden und nach 20:00 als wir aus dem Zoll raus kommen.

Unsere Guides schlagen vor, noch auf dem überwachten Zoll-Gelände direkt am Hafen zu übernachten. Wir haben uns noch nicht akklimatisiert: Über den 5 Meter hohen Zaun klettern die Jugendlichen trotzdem, um irgendwem noch irgendetwas zu verkaufen oder etwas anderes irgendwem ins Auto stecken zu können. Man weiß es nicht. Wir können ein Katz und Maus Spiel der Kids mit den Zöllnern beobachten. Derjenige mit den besseren Turnschuhen gewinnt. Meinem Beifahrer ist dieses Gerenne zu unruhig und der Übernachtungsplatz kommt daher nicht in Frage. Also fahren wir noch 20km Autobahn zur nächsten Tankstelle mit überwachtem Parkplatz, um dort unser Nachtlager aufzuschlagen. Wir überholen einen Sattelzug auf der Autobahn, an dem genau keine einzige Lampe funktioniert. Nach Sonnenuntergang fährt man daher in Afrika genau deswegen nicht. Das erste Ankerbier schmeckt wunderbar.

01.10. – Ab in die Berge – 381 km

Am nächsten Morgen starten wir auf dem Rastplatz mit einem Kaffee. Unser Weg sollte uns heute schnellst möglichst in Richtung Süden vom flachen Land in die Berge bringen. Wir verlassen nach einigen Kilometern kurz die Autobahn, um in einem großen Supermarkt die Kühlboxen zu füllen. In der Schule gegenüber ist grade Pause. Die Kids bzw. Teens organisieren sich wie in Europa im Supermarkt ihr Pausenbrot. Auffällig: Die Mehrzahl der Mädels ist ohne Kopftuch unterwegs. Wir machen noch ein paar Kilometer auf der Autobahn, bevor wir diese in Richtung Mekknes verlassen. Gleich die erste Stadt nach der Autobahn wirkt nach den Eindrücken 30 Minuten zuvor wie ein Schlag ins Gesicht: Es ist Markt, es ist dreckig, Obst, Gemüse und was man sonst noch so braucht wird mitten auf der Straße verkauft. Menschen zusammen mit Schafen auf den Dächern von Kleintransportern. Willkommen noch einmal in Afrika, jetzt sind wir wirklich da!

Wir machen weiter Strecke auf Landstraßen. Mittag machen wir zwischendurch an einem Imbiss direkt an der Straße. Der Besitzer fährt richtig auf mit frisch gegrilltem Essen. Zum Abschied möchte er auch noch ein Gruppenfoto von unserer Truppe. Wir tanken noch einmal, bevor wir uns im Nationalpark Ifrane einen Übernachtungsplatz suchen. Den lieben langen Weg von der Autobahn an der Küste bis hierhin ging es kaum merklich stetig bergauf so dass wir uns bereits am Abend auf über 2000m befanden. Am Wegesrand treffen wir immer wieder kleine Gruppen von Berberaffen, die hier ebenfalls im Zedernwald zuhause sind.

Jetzt geht es runter vom Asphalt und auf Piste bis zum Nachtlager. Den Lieblingsplatz unser Guides im ganzen Land erreichen wir heute schon gleich am zweiten Abend der Tour. Am Nachhimmel weder Dunst noch Wolken.

Draußen mit Blick auf die Milchstraße im 5 Trillionen Sterne Hotel. Besser kann es nicht werden…

02.10. – Durch den Wald – 155 km

Der Tag startet etwas frisch bei 5 Grad. Hey, wir sind im mittleren Atlas! Der Beifahrer friert. Bevor wir mit den Fahrzeugen aufbrechen machen wir noch eine kleine Wanderung um die nächstgelegene Anhöhe. So eine Zeder wird im Laufe der Jahrhunderte ganz schön groß! Wir fahren weiter in Richtung Süden durch Nationalpark und werden immer wieder von schönen Panoramen und Farben überrascht. Am späten Nachmittag verlassen wir den Nationalpark und kommen weiter südlich. Unterwegs kaufen wir leckere Kaktus-Feigen und Leckereien. Trotz der Höhe passieren wir eine Apfelplantage nach der nächsten, bevor wir relativ unspektakulär neben einem kleinen vertrockneten Bachbett unser Nachtlager aufschlagen. Es wird schon wieder bitterkalt und wir sammeln kleine Äste und Zweige um zumindest ein kleines wärmendes Feuer entfachen zu können.

03.10. – Cirque de Jaffar – 71 km

Wir befinden uns inmitten eines großen Hochplateaus. Nur wenige km weiter südlich von unserem Übernachtungsplatz sollte sich mitten in der flachen Gegend ein Canyon mit einem schönen Panorama auftun.

Der Anfang vom Cirque de Jaffar, im Wesentlichen eine enge Schlucht genau in diesem Canyon. Die Ansicht ist spektakulär und es ist schwer vorstellbar, wie diese Schlucht entstehen konnte. An den engsten Stellen ist diese nur wenige Meter breit und links rechts gehen die Felsen quasi senkrecht nach oben. Nach starken Regenfällen liegen in dieser Schlucht immer wieder große Geröllbrocken und es besteht keine Garantie, dass die Strecke von wenigen 100 Metern auch befahren werden kann. Rockcrawling im Teamwork: Mit Einweisung kommen der HZJ und die Defender relativ problemlos durch. Für den Patrol von Bruno müssen wir an der einen oder anderen Stelle ein paar mehr Steine schleppen, damit der Nissan nicht aufsetzt.

Hinter dem Cirque de Jaffar stoßen wir auf Berber Siedlung. Nach Aussagen der Guides kann die Bettelei hier sehr penetrant bis aggressiv werden. Wir lassen die Scheiben also oben. Die Guides verhandeln den Kauf einer Tasche, über dessen Preis dann leider keine Übereinkunft getroffen werden konnte. Zumindest haben wir es versucht…

Wir fahren ein paar Kilometer westlich entlang einer kleinen Bergkette, welche gestrige das Hochplateau im Süden abschließt. Dabei genießen wir wieder einen Zedernwald und die schönen Aussichten. Trotz Oktober und den Höhenmetern hat es tagsüber dann doch über 30 Grad. Das eine oder andere Bächlein, das wir in den Kehren im Hang durchfahren, lädt zur Abkühlung ein. Hier zu widerstehen fällt schwer, weil bergauf bestimmt mit großer Wahrscheinlichkeit ein Tier verendet ist oder Berberfamilien sonst was in dem Wasser gewaschen haben. Dies sollte man immer im Hinterkopf haben. Wasser aus derlei Bächen haben wir nicht einmal als Brauchwasser genutzt und stattdessen unsere Vorräte immer wieder Wasserkanistern aus den Geschäften aufgefüllt.

Auf dem Weg in Richtung Westen müssen einen kleinen Umweg fahren, da eine Straße unter Wasser steht und nicht überquerbar ist. Einige km später stellen wir fest, dass die Regierung hier einen brandneuen Staudamm errichtet hat, der für die Überflutung der auf den Karten eingetragenen Wege verantwortlich ist.

Gegen Ende des Tages biegen wir in ein Flussbett wieder in Richtung Süden ab. Entlang der vom Wasser gegrabenen Schlucht war auch einmal eine Straße gebaut worden, die allerdings nach heftigen Unterwettern unterspült und noch nicht wieder instand gesetzt wurde. Also fahren wir mehr im Flussbett als auf einer Straße. Das Flussbett bietet sich gleichzeitig jedoch auch als Idealer Übernachtungsplatz an.

Heute Abend muss niemand frieren, denn es ist ordentlich Holz für ein Feuer vorhanden.

04.10. – Höhenmeter machen – 127 km

Morgens nach Frühstück, Katzenwäsche und Morgenappell fahren wir weiter im Flussbett in Richtung Süden. Von dort biegen wir auf Asphalt ab und fahren weiter in Richtung Imichil. Es geht immer dabei immer höher. Die Gegend ist beeindruckend: Hinter jedem Berg treffen wir auf ein weiteres kleine Hochplateau, das von grauen, gelben, braunen oder roten Felsformationen umschlossen ist. Trotzdem werden die Ebenen dazwischen von den Bewohner bewirtschaftet und leuchten strahlend Grün. Ein unwirklicher Kontrast in der Berglandschaft.

In Imichil probieren wir zum Mittag die erste Tangine und füllen unsere Vorräte in der Kühlbox auf. Durch Imichil geht eine der Haupt Nord Süd Verbindungen durch den Atlas. Entsprechend viele Touristen auf Motorrädern, in Wohnmobilen oder Geländewagen sind anzutreffen. Entsprechend euphorisch ist auch die Bettelei der Kids entlang der Straße…

Wir verlassen die Hauptstraße allerdings nach wenigen Kilometern wieder. Eine Höhle entlang des Weges lädt zum Wandern ein. Zudem bietet sich die Sackgasse auch prima als Übernachtungsplatz an. Hier hat es weder Bäume noch Büsche, entsprechend frisch wird er Abend.

05.10. – Umleitung im Atlas – 85 km

Morgens ist es bitterkalt. Die lange Hose vom Abend zuvor bleibt besser an und wird erst im Laufe des Tages wieder auf kurz gewechselt. Wir fahren weiter in Richtung Süd Süd West und passieren immer wieder weitere Hochplateaus mit kleinen leuchtend grünen Apfelbaumplantagen. Unser GPS lügt also doch nicht: Ein Schild am Wegesrand bestätigt, dass wir uns auf über 2900m befinden.

Die Straße würde uns zur Dades-Schlucht bringen. Allerdings wurden wir bereits gestern durch große Schilder darauf aufmerksam gemacht, dass die Strecke zur Schlucht zwischen 08:00 und 17:00 Uhr für den Verkehr wegen Bauarbeiten geschlossen ist. Schwere Unwetter Anfang September hatten die Strecke unpassierbar gemacht. Die Aufräumungsarbeiten waren noch nicht abgeschlossen.

Stattdessen wollten wir die Verbindung zwischen Dades und Todra Schlucht fahren. Die Verbindung bestand im Wesentlichen aus einem Flussbett mit ordentlich Geröll, bevor die letzten Meter auf normaler Piste bewältigt werden konnten. Mitten in dem Gerumpel kam uns eine Gruppe von Endurofahrern entgegen. Schätze, dass die Jungs bereits jetzt ordentlich dicke Arme von den Schlägen haben mussten. So richtig Strecke konnten wir hier auch nicht machen. Das war aber auch nicht Schlimm, denn trotz des Gerumpels und der vielen Steine ist die Landschaft irgendwie doch Abwechslungsreich. Für ein Camp in der nächsten Stadt ist der Weg einfach noch zu lang, also schlagen wir unser Nachtlager mitten am Wegesrand auf. Es ist höchste Zeit für eine 12V mobile Dusche. Der Staub der Pisten der letzten Tage muss runter. Ebenso befreien wir mit Druckluft den Innenraum des Defenders vom Staub.

Eigentlich übernachten wir inmitten des Atlasgebirges fernab jeglicher Zivilisation. Trotzdem passiert es auch an dieser Stelle wieder, dass wir Besuch von Berbern in unserem Camp bekommen. Frauen und Kinder Fragen in der Regel nach Kleidung oder Essen, die Jungs wollen Kippen oder Bargeld. Schamgefühl bei denen Fehlanzeige. Schließlich stehe ich grade fast nackt mit der 12V Dusche in Hand da und hab grad keine Lust auf Smalltalk…

Wieder fehlt das Holz für ein ordentliches Feuer. Es wird also kalt werden.

06.10. – Todra Schlucht – 132 km

Wir starten morgens im Sonnenschein, fahren die Querverbindung zwischen den beiden Schluchten von West nach Ost zu Ende und biegen südlich in Richtung Todra Schlucht ab. Wir erwarten Serpentinen und Pässe. Stattdessen ist die Todra Schlucht ähnlich dem Cirque de Jaffar eine unnatürliche Engstelle mit nur wenigen Metern Breite. Vor und nach der engsten Stelle Teppich und Souvenierstände, Busse mit Touristen. Wir halten unsere Füße kurz in den Qued Todra und sehen dann schnell dass wir wieder Land gewinnen.

In der Provinzhauptstadt Tinghir nutzen wir den lokalen Markt und die Geschäfte erneut, um unsere Vorräte aufzufüllen. Die alten aber teilweise immer noch bewohnten Lehmbauten am Stadtrand liefern mit dem Atlas im Hintergrund ein typisches Marokko Bild. Wir befinden uns immer noch im Atlas Gebirge, allerdings spricht man nun vom hohen Atlas. Wir verlassen die Stadt in Richtung Süden. Die ehemalige Piste ist mittlerweile asphaltiert. Morgen wollen wir eigentlich in Zaghora sein. Wir ziehen Steinpiste jedoch dem Asphalt vor und biegen kurz nach Thinghir auf eine Piste in Richtung Süden ab. Meter machen wir nicht viele, dafür werden wir nach jeder Kurve mit schönen Aussichten auf wunderschöne Täler und Felsformationen belohnt. Für die Nacht finden wir einen Hammerstellplatz am Wegesrand mit tollem Panorama. Das Leben ist schön…

Was Bilder und Text übrigens nicht wiedergeben können: Die Berge und Hänge der letzten Tage waren durchgehend mit Thymian bewachsen. Entsprechend duftend waren dann auch die Übernachtungsplätze. Wenn ich noch einmal abends 19:00 Uhr im Edeka stehe und keinen Thymian mehr bekomme…

07.10. – Zaghora – die Stadt am Rande der Sahara – 147 km

Der Sahara sind wir nun schon sehr nahe, bedeutet trotz der Höhenmeter sind auch die Nächte mit knapp 20 Grad sehr mild. Mittlerweile ist fast Vollmond und Nachtaufnahmen von der Milchstraße sind nur möglich, nachdem der Mond untergegangen ist … ich stelle mir im Urlaub tatsächlich den Wecker auf morgens 05:00 Uhr … Dunst verhindert leider ein paar schöne Aufnahmen, also geht es wieder zurück ins Zelt für ein paar Stunden schlaf…

Nach dem Frühstück geht es weiter in Richtung Zaghora. Heute Abend wollen wir auf den Campingplatz und endlich mal wieder richtig duschen. Wir haben folgende Optionen: Asphalt mit ein wenig Umweg um länger duschen zu können oder auf Piste den direkten Weg nach Zaghora. Natürlich wählen wir die Piste und die hat es sich. Werden wir mal nicht vom Waschbrett durchgeschüttelt, fahren wir auf faustgroßen Steinen die uns ebenso durchschütteln. Das Thermometer zeigt mittlerweile über 45°. Wir auch schon die Tage zuvor machen wir immer wieder Pausen, damit die Guides für das Aftermovie ihre Drohne aufsteigen lassen können. Wir suchen den Schatten hinter dem Auto.

Noch nicht in der Stadt angekommen kleben uns links und rechts Mopeds an den Fensterscheiben, um uns eine Werkstatt zu locken. Sicherlich muss doch alles einmal abgeschmiert werden – nur 20 Dirham. Ja klar und ganz sicher werden dann auch noch ganz viele andere Dinge gefunden, die gemacht werden müssen … verkaufen können sie.

Die Guides führen uns auf den Camping Oasis im Südwesten der Stadt. Eine super schön gepflegte Anlage mit ordentlichen sanitären Anlagen und viel Platz. Wir bekommen sogar einen Teppich und einen Tisch vor das Auto gestellt.

Nach dem vielen Staub und Gerüttel heute schmeckt das Ankerbier besonders lecker. Während wir da so sitzen, bekommen wir Besuch von Edith Kohlbach, die schon einige Bücher über die Wüsten in Marokko, Tunesien oder Mauretanien geschrieben hat. Aktuell sei sie im Land, um Material für ein neues Buch zu recherchieren. Von ihren Büchern und Reisen erzählt sie uns ausgiebig … im Monolog. Sicherlich hat Edith eine Menge zu erzählen und erlebt, aber irgendwie haben wir ein anderes Verständnis von Afrika, Wüste, Overland und Offroad. Eines dieser Bücher besorge ich mir trotzdem Mal …

Vor der Dusche räumen wir das Auto einmal komplett leer und kehren den Staub der letzten Tage heraus. Trotz 30 Grad wird heiß geduscht – eine Wohltat. WiFi gibt’s hier übrigens auch. Auf aufdringliche Schlepper haben wir heute keine Lust mehr, statt der Medina bestellen wir uns ein 3 Gänge Abendessen im Restaurant des Campingplatzes. Das Leben ist schön und sind immer noch über 20 Grad als wir schlafen gehen.

08.10. – Ab in den Sandkasten – 156 km

Aus Tunesien kennen wir die Sahara als riesengroßen Sandkasten. In Marokko ist die Wüste eher eine Steinwüste und es gibt nur 2 Sandkästen, in denen man Dünen fahren kann. Das ist neben dem Erg Chebbi bei Merzouga das Erg Chegagga in der Nähe von Zaghora. Das letztgenannte Erg ist das größere von beiden, weswegen wir natürlich auch rein zufällig in Zaghora gelandet sind…

Für ein paar Nächte im Sand füllen wir die Kühlboxen neu und tanken die Autos voll, bevor wir uns auf den Weg machen. Wieder werden wir von den Schleppern der Werkstätten umzingelt. Bis zum Erg ist es von Zaghora aus tatsächlich noch über 100 km weit, die wir auf Asphalt zurücklegen. Die Nähe zur algerischen Grenze wird uns wegen der Vielzahl an Kasernen des marokkanischen Militärs bewusst. Auf dem Weg zum Erg kommen uns immer wieder Kolonnen von Geländewagen entgegen, welche die Pauschaltouristen aus der Wüste zurück ins Hotel holen.

Irgendwann biegen wir vom Asphalt ab und fahren weiter Rüttelpiste. Die Windböen durchs offene Fenster fühlen sich mittlerweile an, als ob jemand eine Heissluftpistole auf Stufe III ins offene Fenster hält. Und das im Oktober …

Nach der Mittagspause unter dem einzigen Baum weit, erreichen wir nach einer weiteren Stunde endlich die Dünenfelder. Den Reifendruck senken wir nun endgültig auf +/- 1 Bar. Was fällt uns auf im Vergleich zum Sandkasten in Tunesien? Der Sand ist gröber und und rötlicher. Die Dünen selbst sind größer und haben meist längere Auffahrten. Wir müssen uns erst daran gewöhnen, in Untersetzung im 4. oder 5. Gang die durch den Sand zu blasen. Schlussendlich unterschieden sich die Kämme der Dünen nicht wirklich zu denen in Tunesien, dahinter geht es wieder steil bergab. Das Timing muss stimmen…

Die Hitze hat uns alle wirklich Platt gemacht, weswegen wir uns schon um halb 5 einen schönen Platz zur Übernachtung in den Dünen gesucht hatten. Bei Sandra kapitulierte die Haut von der vielen heißen Luft und dem Sand, Dani´s Kreislauf machte erst einmal Pause … Nach einer Pilzpfanne (ohne Pilze) zum Abendessen sitzen wir auf der Düne im halbdunklen im lauen Wind und rekapitulieren den Trip bis hierhin. Zumindest wir sind uns einig, alles richtig gemacht zu haben …

09.10. – Dünentag – 46 km

Für eure Vorstellung: Das Erg Chegagga ist ungefähr 30 km lang und an der breitesten Stelle 10 km breit. Wenn man nicht trödelt kann man dieses also locker an einem Tag durchfahren.

Weil Sandfahren Spaß macht, gibt es heute trotz Hitze einen Dünentag. Also fahren wir den ganzen Tag im Kreis, weil wir ja nix besseres zu tun haben. Bergen müssen wir und andere häufiger, inkl. der Guides. Allerdings überlegen wir schon, wo wir jetzt auf die schnelle einen großen Baumstamm herbekommen, den wir an Brunos Auto hängen können. Der komplett unverbastelte Patrol von Bruno geht im Serienzustand auf dem Sand wie Sau…

Gegen 16:00 Uhr sind wir mit unserer Runde fertig. Heute haben wir bisschen Zeit um mit den Kameras zu spielen, während die Guides zum Abschluss des Tages noch einmal die Drohne steigen lassen. Durchs Bild läuft 2 Dünen weiter laut telefonierend ein Marokkaner, der sich vermutlich aus einem befreundeten Camp ein paar Gewürze ausleihen möchte … wir hatten tagsüber schon immer frische Fuß- oder Reifenspuren von anderen Touristen gesehen. Nach dem Essen und Sonnenuntergang laufen wir auf die höchste Düne im Umkreis und genießen den Ausblick. Von links nehmen wir Dromedargeräusche war, von weiter vorn lautes Gelächter einer anderen Reisegruppe. Das Erg ist klein und wir Overlander müssen uns den Sand mit den Pauschaltouristen teilen. Ist aber auch nicht schlimm, Marokko hat ja so viel mehr Gegend zu bieten.

10.10. – Raus aus dem Sand – 151 km

Für unser Befinden haben wir nun genug im Sandkasten gespielt. Im Kreis fahren und dabei aufpassen, dass man keine Dromedar Karawane überfährt, reicht uns für einen Tag. Schade für Steff, denn für ihn war der Tag im Sand das Highlight der Tour bisher und er hätte gerne noch weiter Kreise im Sand gedreht. Können wir jetzt aber nichts für, wenn falsche Vorstellungen in Köpfen anderer entstanden sind … Immerhin fahren wir nicht auf dem schnellsten Weg aus dem Erg heraus sondern wir durchqueren die Chegagga noch einmal in voller Länge in Richtung Nord-West. Wir müssen dann noch ein ganzes Stück Piste fahren, bis wir wieder aus Wüste raus sind. Das Terrain ist flach und damit es nicht so rumpelt fahren wir 70 km/h und schneller. Ein Hoch auf die Radflo Dämpfer, dass wir bei den Querfugen nicht aus der Spur fliegen … Hier und da gibt es tatsächlich Brunnen, wenn das Grundwasser nicht altzutief entfernt ist.

Den wartenden Dromedaren holen wir ein paar Liter Wasser aus der Erde, bevor wir weiterfahren. Wir müssen auch noch an 2 Militärposten vorbei und die Guides können endliche ihre vorbereiteten Fiche der Gruppe verteilen. Wir verteilen auch 2 Bier an die Jungs, auch wenn es überhaupt nicht nötig ist. Die Militärs haben gute Laune und wir sowieso.

In Foum-Zguid bunkern wir wieder Vorräte und vor allem Wasser. Aufgrund der unheimlichen Hitze hatten uns schon gegenseitig in der Gruppe mit Wasser ausgeholfen. Die Atmosphäre in der Stadt war ein bisschen spooky, da wir vor der großen Messe gegen 17:00 dort eintrafen. Fast alle Geschäfte und Restaurants waren wegen der Hitze geschlossen und in der Moschee sollte ja auch gleich das Abendgebet stattfinden.

Wir fahren noch 40 km in Richtung Norden bevor wir uns neben der Straße in einem Flussbett einen Platz für die Nacht suchen. Der Wind macht den Abend wieder ziemlich frisch…

11.10. – Kaspahs – 213 km

Am nächsten Morgen starten wir aus dem Flussbett heraus zunächst wieder auf Asphalt in Richtung Norden. Wir müssen tanken und gönnen uns Kaffee sowie frisch gepressten Orangensaft in einem Kaffee direkt an der Straße. Ziemlich untypisch scheint hier eine Frau der Chef zu sein und sagt dem Männern wo es lang geht. In der Stadt haben wir auch die Gelegenheit uns eine alte Lehm-Kasbah anzuschauen. Irgendwer gab sich als Guide und wollte uns etwas über die Geschichte vom Gebäude erzählen. Eigentlich wollte er uns aber zur neuen Kasbah mit den Souvenir-Ständen die Straße herunter locken … wollten wir aber nicht. Nachdem ihm das nicht gelang wollte er uns dann 20 Dirham für die Ruine abnehmen. Wir fanden 5 pro Nase irgendwie angemessener. Die wollte er dann auch nicht und wir sind dann einfach wieder so gefahren. Wir biegen ab auf Piste und fahren wieder in den Atlas auf über 2000m, bevor wir unser Platz für Nacht finden. Es hat zwar 20 Grad aber wir finden es ziemlich frisch. Wie schnell man sich doch an 30°+ akklimatisieren kann.

12.10. – Dades – 142 km

Nach dem Morgenappell geht es weiter in Richtung Norden, auch auf Asphalt. In der nächstgrößeren Stadt finden wir endlich einen Fleischer, der uns die landestypischen Merguez Würstchen einzeln und nicht im 5 Kilo Beutel verkaufen möchte. Somit können wir heute Abend endlich mal den Grill anwerfen. Die Kohle hierfür finden wir in keinem Geschäft, also kaufen wir diese einfach einer der vielen Straßenküchen ab.

Wir biegen auf Asphalt rechts in Richtung Dades Schlucht ab. Die Tage zuvor hatten wir ja schon gelernt, dass die Straße wegen der Unwetter tagsüber gesperrt ist. An den Häusern am Straßenrand können wir erkennen, dass hier ordentlich Wasser heruntergekommen sein muss. Hier und da wird noch Schutt beiseite gebaggert. Wegen der Sperrung sind wir fast die einzigen Touristen.

Wir gönnen uns im Restaurant oberhalb der legendären Serpentinen einen nach Pfefferminz schmeckenden Kaffee, bevor wir wieder zurück fahren und uns bei nächster Gelegenheit im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Staub machen … Auf dem Weg kommen wir durch eine Schlucht ähnlich der Todra Schlucht. Nur naturbelassener ohne Touristen und ohne Souvenir-Stände. Das Leben ist schön.

Unser Nachtlager schlagen wir wieder in einem Flussbett unlängst eines kleinen Dorfes auf. Während wir den Grill vorbereiten bekommen wir Besuch von ein paar Jungs die in Bergen drum herum Atlashörnchen jagen waren. Nein, die wollten wir nicht haben und auch nicht auf den Grill legen. Zu den Merguez Würstchen bereiten wir noch für alle ein paar Gemüse Pakete zum Grillen vor. Mittlerweile hat sich auch die Mädels-Gang aus dem Dorf gefunden und wir werden beim Grillen beobachtet … aus 5 m Entfernung. Während wir dort saßen kamen 2 Teens am Flussbett entlang – betrunken wie 2 Seemänner, laut grölend und mehrfach stolpernd. Wie war das mit dem Alkohol und Allah? Wir haben nicht verstanden, wie viele Hörnchen die beiden gefangen hatte, die Jüngeren bei uns hatten jedenfalls 9 gefangen. Salzstangen kommen bei den Jungs & Mädels gut an. Dass man diese dann irgendwann leere Verpackung nicht einfach auf den Boden wirft, konnten sie nicht verstehen. Es ist wohl noch ein sehr langer Weg, bis wir Fridays4Future Demos in Marokko sehen werden …

13.10 – Die Kathedrale – 170 km

Aufbruch im Flussbett. Heute sollten wir die 3000 Höhenmeter knacken. Wir kämpfen uns auf Schotterpiste die Felsen hinauf. Es wird mächtig viel gebaggert und gebaut. Im nächsten Jahr wird dieser Pass dann wohl schon eine Asphaltstraße sein. Auf der gegenüberliegenden Bergkette sehen wir Schnee auf den Gipfeln. Im nächsten Tal ist tatsächlich Schlechtwetter und es regnet. Wir wollen abkürzen, aber in einem Dorf ist von dem Unwetter der letzten Tage eine Straße noch nicht wieder passierbar. Also müssen wir wieder zurück und die Baustellen- / Schotterpiste weiterfahren. Glücklicherweise schien nach der nächsten Bergkette wieder die Sonne und wir suchten uns entlang der Piste einen schönen Platz für eine Mittagspause. Dies blieb nicht unbemerkt und wieder hatten wir Besuch von den Dorfkindern. Steff meldet, dass er sich mit dem Sprit verkalkuliert hat und demnächst tanken müsste. Somit war die Planung für Tag gelaufen und wir machten uns auf den direkten Weg zur nächsten Tankstelle. Vorher hatten wir jedoch im nächsten Dorf den Wochenmarkt zu besuchen. Wir mussten nicht mal Aussteigen, denn der war mitten um die Hauptstraße herumgebaut.

Lt. Aussage der Polizisten im Dorf sollte die nächste Tankstelle rund 40 km entfernt sein. Also bogen wir rechts ab und fuhren auf langweiligem Asphalt weiter. Das von den Cops beschriebene Dorf erreichten wir dann, allerdings war hier keine Tankstelle vorhanden. Irgendwer hatte ein paar Meter Schlauch dabei, mit dem Diesel würden wir das schon irgendwie hinbekommen. Also bogen wir wieder auf Piste ab und fuhren weiter in Richtung Norden. Mittlerweile waren die Berghänge wieder mit Zedern bewachsen und wir konnten wieder schöne Panoramen genießen. Unser Nachtlager schlugen wir direkt unterhalb einer Felsformation auf, die einer Kathedrale ähnelt.

Was für ein grandioser Anblick … PS: Steff hat immer noch Sprit

14.10. – Strecke machen – 270 km

Wir genießen beim Frühstück in der Sonne den Ausblick auf die Kathedrale. Es geht weiter nach Norden zum größten Stausee Marokkos, dem Barrage Bin El-Ouidane. Dort in Ouaouizeght kann Steff dann auch endlich Diesel in seinen HZJ bunkern. Es ist Montag und am Mittwoch geht die Fähre zurück nach Europa, also müssen wir uns nun ein wenig sputen, um zurück nach Tanger Med zu kommen. Die nach dem Tankstopp folgende Bergkette überqueren im Nebel mit Sichtweiten unter 50 m. Danach sind wir auch schon wieder aus dem Atlas heraus und fahren im Flachland in Richtung Norden. Mittagspause machen wir in irgendwo in einer Stadt und gönnen uns Leckereien vom Bäcker. Dieses Pâtisserie Handwerk in Marokko ist zumindest mal ein positives Überbleibsel französischer Kolonialzeit. Mit dem Flachland sind wir auch wieder zurück in der Zivilisation, bedeutet die Städte sind größer, asphaltiert, haben Infrastruktur und die Länder zwischen den Städten sind allesamt bewirtschaftet. Kurz vor Feierabend bei der Ausfahrt aus einer großen Stadt auf Höhe der Schule knallt es dann ohne Vorwarnung laut an meinem linken Ohr. Hat doch einer dieser kleinen Bastarde tatsächlich einen Stein nach uns geschmissen! Gut das ich kurz vorher die Fensterscheibe geschlossen hatte. Mit ziemlicher Sicherheit hätte mich der Stein sonst an der Schläfe getroffen. Hier haben wir mit einer solchen Attacke überhaupt nicht mehr gerechnet und waren daher auch nicht mehr sonderlich aufmerksam … Die Scheibe ist glücklicherweise heile geblieben, also lohnte es sich auch nicht mehr sich darüber aufzuregen. Unser Nachtlager schlugen wir auf einem kleinen Hügel auf, von dem wir 360° Rundblick über die Umgebung hatten. Wir würden also Sonnenauf- und Untergang genießen können. Aufgrund der exponierten Lage war es allerdings wieder sehr frisch und so ging es nach dem Berberomlette direkt um halb neun ins Bett.

Wir gaben uns daher 2 Folgen „Stranger Things“ vom iPad auf Netflix im Zelt. So haben wir auch endlich mal bis morgens halb acht durchgeschlafen.

15.10. – Fes – 123 km

Den vorletzten Tag in Marokko wollten wir in Fez verbringen, um dort die Medina zu besuchen. Beim Camping „Daimand Vert“ hatte der neue Besitzer seine Lizenz noch nicht erhalten, daher war der Campingplatz geschlossen. Also wichen wir aus zum „Camping International“ gegenüber des Stadiums. Dieser Campinglatz hatte seinen Zenith schon vor Jahren überschritten und von die vielen Stellplätzen war wir neben 3 anderen Fahrzeugen die einzigen Gäste. Egal, duschen konnten wir bei Bedarf am Auto und morgen Abend waren wir ja schon wieder auf der Fähre.

In die Medina ging es mit Taxi direkt bis zum blauen Tor. Es macht in den engen Gassen keinen Sinn in der Gruppe zu bleiben, also erkundete jeder für sich auf eigene Faust die Alststadt von Fes für ein paar Stunden. Achtung Touristenfallen! Aber so mancher Fluch kann auch ein Segen sein: Viele Verkäufer starten auf ihr Handy anstelle uns in ihr Geschäft zu locken. Für uns genau richtig. Wir gingen einmal um den Pott und genossen zwischendurch einen Kaffee auf dem Dach eines Restaurants mit Blick über die Altstadt. Irgendwie war es schön, aber uns dann doch zu hektisch, so dass wir uns außerhalb der alten Stadtmauer in ein Kaffee setzen und warteten, bis die anderen zum vereinbarten Treffpunkt / Zeit zurückkamen. Die Küche sollte heute ebenso kalt bleiben und wir aßen alle zusammen in einem hippen Restaurant in der Nähe der Altstadt.

Wir überlebten tatsächlich die Rückfahrt mit Taxi zum Campingplatz durch die Rush Hour von Fes ohne Blessuren. Die Sonne war eben untergegangen, als eine Schweizer Familie ( 2 Kinder + 2 große Hunde) im HZJ auf dem Campingplatz eintraf. Hut ab vor der Leistung, 4 Personen und 2 Hunde in einem Auto unter zu bekommen. Der Familie war am Tag zuvor der Campingkocher gestorben, aber man hilft sich untereinander ja gerne aus. So wurde am Abend noch ein bisschen geschnakkt und wir haben gelernt das die Maul und Klauen Seuche im Osten der Schweiz ihren Ursprung hat … morgens wird dort gemault und abends ge…

16.10. – Ab zur Fähre – 344 km

Dann schnell weg von diesem Campingplatz. Tatsächlich müssen wir uns ins Fes noch ein paar Dinar aus dem Automaten holen, damit wir auf dem Weg zurück noch das eine oder andere Mitbringsel einpacken können.

Zunächst geht es langweilig auf Asphalt und flachem Land gen Norden. Steff merkt über Funk an, das es lt. Navi am schnellsten rechts zur Fähre am letzten Kreisel gewesen wäre. Die Fähre sollte um 22:00 Uhr ablegen und wir mussten erst 20:00 Uhr am Hafen sein. Also kein Grund zur Eile. Lieber ein bisschen Gegend schauen als 5h an der Hafenmole zu schimmeln. Die Guides hatten zudem vorgeschlagen, über die blaue Stadt Chefchaouen nach Tanger Med zu fahren. Eine halbe Stunde später hören wir ein fassungsloses „Ich glaub es nicht, noch immer geradeaus“ von Steff aus dem Funk, danach nichts mehr und der Rückspiegel bleibt leer. Steff hatte sich für einen polnischen Abgang entschieden und fuhr dann wohl den schnellsten Weg zur Fähre.

Nur kurze Zeit später erreichten wir die ersten Ausläufer des Riff Gebirges und die Landschaft dort wurde sofort interessanter und abwechslungsreicher. Das Riff Gebirge ist eines der größten Marihuana-Anbau-Gebiete auf dem Planeten und sollte daher für Overland Aktivitäten tunlichst gemieden werden. So steht es auch in jedem Reiseführen. Gegen einen Besuch in Chefchaouen mit An- und Abreise über die Hauptstraßen spricht jedoch nichts. Wir genießen im Ort das Leben bei einem Sandwich, Kaffee und können schlussendlich an der Pitasserie auch nicht einfach so vorbeigehen. Das Touristenzentrum haben wir gemieden, auch so ist Chefchaouen eine schöne blaue Stadt.

Wir fahren weiter über Tétouan und Fnideq in Richtung Tanger Med. Für uns ist es das erste Mal, aber unsere Guides erkennen Tétouan jedoch nicht wieder. Sauber, aufgeräumt, gestrichene Fassaden und richtig mondän. Das kleine Städtchen Fnideq könnte mit Palmen , Strandcafe und Promenade auch ohne Probleme in Spanien oder Frankreich am Mittelmeer gelegen sein. Dieses Marokko macht sich…

Gegen 19:30 Uhr erreichen wir Tanger Med. Der Check in für die Bordkarten ist super entspannt. Auch Katz und Maus Spiel der Zöllner mit den Zaunkletterern stresst heute nicht so wie bei der Anreise. Wir essen noch eine Kleinigkeit im Bistro, bevor wir auf die Fähre fahren. Der Weg dorthin zieht sich dann doch, weil komplett und ausnahmslos jedes Auto durch das Röntgen geschickt wird. Die Security von GNV nimmt uns zudem noch die Gasflaschen des Campingkochers ab – Sicherheitsmaßnahme. Verstehen muss man das nicht, war ja auf der Anreise auch i.O. Die Jungs haben sich dann auch mit der angebrochenen Dose begnügt, von den 2 frischen Dosen in der Vorratsbox haben wir nicht erzählt.

Auf der Fähre dann zunächst keine Spur von Steff. Also gehen wir runter auf die Parkdecks und finden den HZJ als 2. Auto ganz vorn in der Parkgarage. Die Regel: Wer als letztes auf die Fähre fährt kommt auch als erstes wieder herunter ist ja bekannt…

Wir sind dann irgendwie auch im Eimer und gehen schlafen. Das Auslaufen der Fähre bekommen wir gar nicht mehr mit.

17.10. – Seetag

Wir chillen in der Sonne und konsumieren Literatur in gesprochener und gedruckter Form. Steff lässt sich nicht blicken. Wir überholen irgendein „Mein Schiff“ mit Pauschaltouristen. Ich dachte, die sind schneller…

18.10 – Seetag

Beim Zwischenstopp in Barcelona fallen uns die Polizisten alle 2m am Hafen auf. Zudem kreisen über der Stadt Hubschrauber. Erst später erfahren wir aus den Nachrichten, dass es wegen der Inhaftierung von ein paar Katalanen in der Stadt zu Ausschreitungen gekommen war. Vermutlich hat das Kreuzfahrtschiff gestern deshalb auch so langsam gemacht … der Landtag in Barcelona war bestimmt gestrichen worden.

19.10. – Ankunft Genua und Rückfahrt – 1100 km

Die Nacht endet morgens um 06:30 Uhr, da die Fähre schon gegen 08:00 Uhr im Hafen von Genua einlaufen sollte. Wir verabschieden uns von Bruno, der nur 5h nach Hause hat. Unsere Guides wollte auf dem Heimweg noch ein paar Tage in den Alpen verbringen. Da wir selbst am Montag wieder im Dienst sein müssen, ging es für uns auf die Bahn zurück nach Deutschland.

Die Bahn ist relativ frei und das Fahren nicht so anstrengend. Es läuft sozusagen, zudem hatten wir die letzten 2 Tage genau nix zu tun und waren erholt. Also ging es die 1100 km Nonstop nach Hause.

Marokko, es war schön mit dir und wir kommen ganz bestimmt noch einmal wieder!

Empfehlungen zur Reisevorbereitung:
GPS Off-Road Reiseführer Marokko von Sabine & Burkhard Koch / www.pistenkuh.de
Reiseführer von Edith Kohlbach (s. Text oben)

Das Aftermovie (Long Edit by Caro Adventure):

Bilder: