Elsass-Greenlaning 2015

Die 1. Sonnenstrahlen und Ferienzeit im April sollten für ein langes Wochenende im Freien genutzt werden. Wiedereinmal hatten wir es hierzu geschafft, freie Termine für einen gemeinsamen Ausflug im Freundeskreis zu koordinieren. Für das lange Wochenende wurden die Angebote der Veranstalter gescannt. Unser Augenmerk viel auf das Elsass-Greenlaning Angebot von Adventure-Offroad. Der Nordosten Frankreichs war für uns noch unbekannt und die Nähe zum Rheintal bzw. Landau in der Pfalz versprachen ordentliches Frühlingswetter für den April.  Positiv sei an dieser Stelle vermerkt, das der Event auf 4 Teilnehmerfahrzeuge beschränkt ist. Nach der Stornierung eines Teilnehmers konnten wir uns dann auch alle zu Tour anmelden.

Treffpunkt und gleichzeitig auch Campground für das Wochenende war ein kleiner Naturcampingplatz nur 3 km entfernt von der französischen Grenze. Die Location überzeugte mit ordentlichen sanitären Einrichtungen und im Vergleich zu Campingplätzen in Frankreich ist hier auch uneingeschränkt offenes Feuer erlaubt. Ein Lagerfeuer würde uns also Abends warm halten. Ein Unterstand hätte uns ferner Schutz vor Niederschlägen geboten.

Unsere Guides Sabine und Timo empfingen die Teilnehmer ab 15:00 Uhr auf dem Gelände. Wir selbst konnte aus privaten Gründen erst später ins Wochenende starten und trafen daher erst gegen 20:00 Uhr am Campground ein. Freundlicherweise hatten alle ihre knurrenden Mägen bis dahin ignoriert; mit unserem Eintreffen wurde umgehend der Grill befeuert und belegt. Die Verpflegung am Wochenende übernahmen die Guides mit lokalen Spezialitäten. Dabei wurde auch auf die beiden Vegetarier in der Gruppe Rücksicht genommen. Die letzten waren wir dennoch nicht, denn Roman konnte sich erst ab 20:00 aus HH auf den Weg ins Elsass machen …

Das gute T-Shirt Wetter vom Anreisetag selbst war am Samstag morgen leider wieder verflogen. Die Nähe zum Rheintal machte sich allerdings bemerkbar, grundsätzlich war viel mehr Grün und am Blühen als bei uns im hohen Norden. Nach einem ausgiebigen Frühstück machten wir uns entspannt auf den Weg ins nur wenige KM entfernte Elass oder Alsace, wie die Franzosen sagen. Sabine und Timo hatte hier entlang der Maginot Linie eine abwechslungsreiche Offroad Tour über Wald und Wiesen gestrickt. Am Wegesrand fanden sich immer wieder Mahnmale aus der vergangenen Zeit. Unfassbar was Mensch sich seinerzeit zum eigenen Schutze sich hat einfallen lassen. Im Kontrast dazu immer wieder die verträumten Dörfer mit den über 100 Jahren alten Fachwerkhäusern, an denen die Auseinandersetzungen der Vergangenheit scheinbar spurlos vorbeigegangen sind. Auf dem Rückweg zum Camp enterten wir einen Supermarkt um für das abendliche Dinner genügend Auswahl zu haben. Neben einer deftigen (vegetarischen) Suppe wurde noch einiges auf dem Grill aufgelegt. Das Feuer brannte ebenfalls wieder lange am Abend.

Der Sonntag begann ähnlich nass wieder Tag zuvor, jedoch orakelte der Wetterdienst Besserung im Laufe des Tages. Nach einem Frühstück mit den Resten der Vesper hieß es abbauen, bevor der Platzwart vom Camping noch einen weiteren Tag berechnen konnte. Mit Sack und Pack ging es rüber nach Frankreich, um sich eine der vielen Festungen dort einmal von innen – oder besser gesagt unten – anzuschauen. Die Ouvrage de Schoenenbourg ist eine der wenigen Artilleriewerke der Ligne Maginot, die besichtigt werden können. Über den Versorgungseingang ging es 30m unter die Erde. Dort fanden wir eine Mannschaftsquartiere, Schlosserei, Küche, Hospital und alles das, was zu ein Kaserne gehört. Mit Stromgeneratoren und ausgefeilter Klima bzw. Lüftungstechnik war man in der Lage, mehrere Monate autark unter der Erde überleben zu können. Für nicht weniger als 200.000l Wasser und 96.000l Diesel hatte man hierzu Tanks im Untergrund installiert. Die Kaserne selbst war jedoch nur ein Teil des Bunkerkomplexes. Über einen Tunnel von 1000m(!) länge gelangte man zu den 6 Gefechtswerken der Anlage , von der aus Frankreich gegen den Agressor aus dem Osten verteidigt werden sollte. Unter der „kleinen“ Stahlkuppel vom Vortag im Werk 3 befand sich ein 180 Tonnen schwerer Stahlturm, der per Handkurbel Auf und Ab bewegt werden konnte. Die oben im Turm montierten Panzerhaubitzen konnten im Radius von 4 km feindlichen Zielen ordentlich einheizen. Sehenswert und auch heute noch beeindruckend. Von diesen Werken gab es wohl einige entlang der Linie.

Nachdem wir 2h später wieder aus den Katakomben herausgefanden, machten wir uns zusammen im Konvoi auf den Heimweg in den Norden. Nach einem kleinen Abstecher durch den Westerwald waren irgendwann Abends ziemlich erschöpft von der Fahrt dennoch entspannt wieder daheim.

Fazit: Ein schöner Flecken Erde der für uns Norddeutsche nicht wirklich auf der Durchreise oder in Reichweite liegt. Hier wäre es in Zukunft Interessant, noch mehr von Land und Leuten kennen zulernen. Gerne jedoch rödeln wird uns dann auch mal einen Rückeweg den Berg hinauf. Mit Sabine und Timo hatten wir zwei sympatische und kompetente Guides, mit denen wir uns noch einiges mehr vorstellen könnten. Warten wir ab was die Zukunft so bringt. Doch Vorsicht: Im April ist Krötenwanderung. Unsere Kröten sind allerdings nur in die Taschen des Veranstalters gewandert. Die Teilnahme Gebühren „pro Person“ des Veranstalters stehen in keinem Verhältnis zu den erbrachten Leistungen. Untypisch dies, erst recht für eine Wochenendveranstaltung. Nunja, wir wollten es so und werden Ausschreibungen in Zukunft genauer lesen.

Schreibe einen Kommentar